Sonnenvogel live am 15.9.2018 im Ahorn

Paula Modersohn-Becker & Rainer Maria Rilke

Wie erwartet ein sehr sehr besonderer und berührender Abend. Rainer Maria Rilke und die früh verstorbene Malerin Paula Becker im Dialog, ganz lebendig dargestellt – von inspirierten Menschen erlebbar gemacht – rund um den Ahorn,  Lyrik aus Wort, Musik und Bild eingeflochten, alles greifbar nahe,  ein derart zahlreiches und aufmerksames Publikum –  es war sehr berührend am schönen Klavier zu spielen und zu spüren, wie die Musik das Publikum bewegt – nach Überwindung der ersten 15 Sekunden konnte ich mich richtig fallen lassen – es war eine sehr offene eigentlich schon fast unheimliche Stille in dem Raum – eine Wolke auf der ich landen konnte beim Singen …

Auftakt und Schlussakkord aus Rilkes Requiem an eine Freundin ( Paula Modersohn-Becker)
„denn das ist Schuld, wenn irgendeines Schuld ist:
die Freiheit eines Lieben nicht vermehren
um alle Freiheit, die man in sich aufbringt.
Wir haben, wo wir lieben, ja nur dies:
einander lassen; denn daß wir uns halten,
das fällt uns leicht und ist nicht erst zu lernen.“
„ Denn Das verstandest du: die vollen Früchte.
Die legtest du auf Schalen vor dich hin
und wogst mit Farben ihre Schwere auf.
Und so wie Früchte sahst du auch die Fraun
und sahst die Kinder so, von innen her
getrieben in die Formen ihres Daseins.
Und sahst dich selbst zuletzt wie eine Frucht,
nahmst dich heraus aus deinen Kleidern, trugst
dich vor den Spiegel, ließest dich hinein
bis auf dein Schauen; das blieb groß davor
und sagte nicht: das bin ich; nein: dies ist.
So ohne Neugier war zuletzt dein Schaun
und so besitzlos, von so wahrer Armut,
daß es dich selbst nicht mehr begehrte: heilig.“