Wer hören will, der fühle!

Im Sittl hat sich auch ein Gespräch eröffnet über das Hören. Weil viele Menschen glauben, dass sie nicht musikalisch sind, kommt es häufig zu dem Irrglauben, Musik wäre etwas für „Auserwählte“, für Begabte, für Talentierte only ! Begabung und Talentierung –  das sind Begriffe, auf die ich jetzt gar nicht eingehen mag. Sie haben soviel zu tun mit unserem Wertesystem, und das hat eine lange Geschichte… Jeder und Jede kann aktiv musizieren!

HÖREN …

Wie lernen Kinder Farben? Sie schauen sich die Welt, die bunten Spielsachen, schauen sich viele Bilderbücher an, und lernen sehr früh, das jede Farbempfindung einen Namen hat. Zuerst lernt man die grobe Einteilung in  Rot & Blau, Grün und Gelb … je mehr man sich dann mit den Farben beschäftigt, umso mehr kann man die unterschiedlichen Nuancen erkennen und benennen. Indigoblau, Rubinrot, Sonnengelb, Sienagelb, Terracottaorange … ich kann allein durch das Wort der Farbe im inneren ein Farbbild erzeugen.

TÖNE …

Wie lernen Kinder Töne? Sie nehmen Klänge auf, Sprachmelodien. Sie lernen mit Tönen Sprache ausdrücken, sie lernen, wenn man mit ihnen singt,  Lieder singen – Melodien … Aber Töne zuordnen, benennen? Hm … Weil das Ohr innen ist, und nach innen geht, ist Musik auch immer mit Fühlen verbunden. Wie spüren sich Töne an? Wie kann ich die unterschiedlichen Nuancen benennen? Es ist eine völlig andere Situation.

In meinen Workshops sind immer wieder Menschen, die von sich aus sagen, dass sie nicht musikalisch sind, bzw. oder noch schlimmer, dass irgendwann mal irgendwer gesagt hatte, dass sie nicht musikalisch sind. Und ich stelle immer wieder fest, dass sie sich noch nie aktiv mit dem Hören beschäftigt haben. Dass sie wenig Erfahrung haben beim Wahrnehmen der Unterschiede, der Nuancen der Töne, dass sie eigentlich gar nicht wissen, ob sie musikalisch sind oder nicht.

Wenn jemand Farben nicht wahrnehmen kann, dann ist er farbenblind. Wenn jemand Töne nicht wahrnehmen kann, dann ist er tönetaub? hm…. nicht mal das kann man sagen … denn Hören ist eben ein innerer Prozess, der sich also auch von innen her gestaltet. Kurzum: auch Hören will gelernt sein – wir werden nie erfahren, was jeder einzelne mit der Farbe Grün genau wahrnimmt – aber immerhin können wir uns außen gemeinsam auf einen Farbton einigen und ihn benennen. Bei den Tönen ist es viel komplexer. Ich kann eine bestimmte Frequenz – eine bestimmte Schwingung benennen, jedoch weiß ich nicht was für eine Schwingung der Ton hat wenn ich ihn höre. Der Ton  ist eben nicht grün, oder gelb, sondern höher oder tiefer  als der davor, als der schon gehörte, als der angenommene. Und ja … dann gibt es die ganzen Tonzwischenräume… Seit 1939 gibt es einen gültigen Kammerton a1 = 440 Hz. In Sinfonieorchestern wird jedoch auf  443 HZ gestimmt… was das bedeutet … dass es nicht so eindeutig ist von welchem Gelb wir als Gelb ausgehn – das GELB – welches ist das GElB-  wo beginnt gelb und wo hört es auf … ja FARBTÖNE – TÖNE –   das Gehör ist eben relativ …  Auch wenn MusikerInnen miteinander sind, und sie stimmen sich ein auf ein A, dann spielt ihre musikalische Lebenswelt,   ob sie aus der Klassik kommen aus dem Jazz oder aus dem Blues etc … eine entscheidende Rolle, wie Übereinstimmung stattfindet, auf welchen Ton man sich dann einigt – man könnte also einen Ton annehmen, die Instrumente auf diesen Ton einstimmen und hätte sich relativ zu einer angenommenen Tonhöhe bewegt.

Töne gehen miteinander Verbindungen ein, und sogar ein Ton allein besteht aus vielen Tönen.
Es gibt so gesehen keinen einzelnen Ton. Die Prime – der Ton trägt in sich viele Töne.
Töne und Menschen haben so viel gemeinsam. Drum können wir die Töne und wie sie zueinander stehn unmittelbar nachvollziehen, wenn wir die Gelegenheit dazu haben, sie in uns wahrzunehmen. Jede Verbindung hat einen Namen. Das Verhältnis, die Beziehung der Töne zueinander wird benannt. Wie sie zueinander stehen. Man nennt die Verbindungen Intervalle. Gehörbildung ist eigentlich eine Beziehungsbeschreibung der Töne zueinander. Das ist der Bruder, seine Kinder sind die Nichten und Neffen von der Schwester des Bruders. Der Bruder steht in einem Verhätlnis zu seinen Geschwistern. Und er hat zu jedem seiner Geschwister eine andere, eine eigene Beziehung.  Der Bruder ist nur Bruder im Verhältnis zu seinen Geschwistern, nicht zu Geschwistern allgemein. Ein Bruder ist nicht immer Bruder. Wenn er keine Geschwister um sich hat, dann ist die Rolle nicht von Bedeutung. Beziehungsweise nicht unmittelbar! Oder tragen wir jede Rolle immer auch in alle Bereiche mit hinein?
Das heißt die Intervalle haben Namen … Terz, Quint, Oktave …

Viel wichtiger ist die Stimmung die die Töne erzeugen durch ihre Verbindung.
Wie fühlt sich eine Mollterz an, wie ein Tritonus? In was für einem Verhältnis stehen zwei Menschen wenn der Tritonus die Stimmung kennzeichnet?

In einer Skala, einer Tonleiter kommen bestimmte Töne vor, und sie gestalten miteinander eine ganz bestimmte Stimmung! Und wenn ich mich auf die Tonleiter einlasse, dann kann ich diese Stimmung direkt fühlen, wahrnehmen! Das kann jeder Mensch! JEDER und JEDE.  Es ist eine wunderbare Tätigkeit. Die ich liebe, seit ich mit den Tönen vertraut bin, also seit meiner Kindheit. Wenn wir wachsam singen, dann spüren wir die „distanzen“ die wir von Ton zu Ton zurücklegen.

Viele grob Hörende glauben, es gibt unendlich viele Töne und es wäre zwecklos sich damit zu beschäftigen, weil es eine unendliche Aufgabe ist … auch wenn es tatsächlich so ist …
Das wäre ja so … gar nicht erst  in den Sternenhimmel  zu schauen, weil es so viele Sterne gibt da oben … und dennoch lieben die Menschen im Sternenhimmel Sternbilder zu finden … und dennoch haben wir gewissen Tönen Namen gegeben zur Orientierung.

Klar gibt es unendlich viele Töne. Wir hören aber nur einen ganz bestimmten Ausschnitt! Und dieser Ausschnitt lässt sich in einzelne Töne ordnen. Unser Tonsystem besteht aus 12 Tönen! 7 davon nenne ich fix und 5 sind beweglich, und die Wiederholen sich immer wieder in die Tiefe und in die Höhe … so ist die Leiter gemeint. von ganz unten… von der Erde bis zum Himmel!

Wir benennen hierzulande 12 Töne. Also 7 Grundfarben und 5 Mischfarben. In Indien werden mehrere Töne gespielt  – die Tonzwischenräume bekommen zusätzlich Aufmerksamkeit und  Bedeutung! .

Ich verwende gerne das Bild des Aufzugs: Der Aufzug fährt von A nach B, und kann in allen Stockwerken halten. Zwischen den Stockwerken streift er alle „Nichtstationen“ die aber im Millimeterbereich liegen können. Das kann ich alles mit der eigenen Stimme nachvollziehen! Die Stimme ist mein einzigartiges Instrument, dass ich immer bei mir habe. Drum gehört für mich die Stimme unbedingt zum Hören dazu! Über die Stimme können wir Töne von innen her wahrnehmen und mit der Zeit benennen. Würden wir Töne von Anfang so lernen wie Farben. Nämlich dass uns jemand immer wieder ein G vorsingt – immer ein G, dann ein A solange bis wir wissen: Das ist ein G, das ist ein A … selbstverständlich würde das geh’n. Aber es ist nicht üblich. Hören ist eben etwas anderes als Sehen. Und jeder Sinn hat eigene Spielregeln und einen eigenen Bereich im Gedächtnis!

Wenn du also Lust hast mit deiner Stimme zu reisen, und du möchtest dabei begleitet werden, dann  komm zu mir ins HappyRoadStudio!