Gestern auf Ö1 eine Sendung über Worldmusic … und da hab ich „gelernt“:
Nino aus Wien macht Weltmusik.

Fazit: Er lebt auf der Welt – also macht er Weltmusik. Ganz klar.

Jetzt weiß ich zumindest: Ich mache immerhin Weltmusik. Dazu kommt noch, dass ich in meiner Sprache singe – alemannisch … ok … das ist vielleicht doch ein bisschen zu viel Welt im Detail.

Ansonsten … Songs … und  woher kommen sie eigentlich?
Was bedeutet es,  sich mit den musikalischen Wurzeln auseinanderzusetzen? Was sind DIE Wurzeln einer österreichischen Musikerin? In meinem Fall einer vorarlberger Musikerin? Was oder wo sind meine musikalischen Wurzeln? Was für eine Frage, die ich mir so noch die gestellt habe.

Hat Musik überhaupt Wurzeln – oder vielleicht doch eher Flügel?

Ich habe immer wieder das Gefühl, dass Musik Flügel hat – weil sie so beflügeln kann, weil sie die Grenzen auflösen kann, zwischen Menschen –  weil sie so viel Verbindendes hat – Wurzeln können nur am Platz wachsen – Flügel ermöglichen einen Perspektivenwechsel – mir hat die Musik oft Flügel verliehen, in Zeiten, in denen ich die Entwurzelung sehr schmerzhaft wahrgenommen habe  – da war sie mir auch immer Anker – die Musik.  Aber Wurzel? Ich suche weiter …

Mich hat Volksmusik nie wirklich interessiert – sie spricht mich auch heute nicht an – hm… – dabei gibt es schöne gute Volksmusik – ich weiß das – und dennoch finde ich bis heute keinen Zugang. Broadlahn hat mir damals Volksmusik sehr sehr nahe gebracht und ich liebe ihre Musik bis heute und verstehe durch sie, dass Volksmusik für manche sehr prägend sein kann – sehr tief gehen kann und dass sie wirklich verwurzelt sind mit der traditionellen Musik. Und mit Ernst Huber, dem Sänger von Broadlahn  – was für ein Tänzer – hab ich damals im Wiener Porgy und Bess Polka getanzt und dieser Tanz ist mir bis heute in Erinnerung geblieben – da habe ich die ungeheuerliche Kraft der Volksmusik bis in die Zellen hinein erlebt.

Als langjährige Akkordeonschülerin gab es keinen Weg vorbei an der Volksmusik – und ich habe sie immer sehr befremdend wahrgenommen. Mein Leben war sehr früh alles andere als lustig und leicht – und so hab ich diese Musik immer als starken Kontrast zu meiner inneren Welt wahrgenommen. Sie war für mich immer unerreichbar – die Trachten, die Bräuche – das war aus einer „heilen“ DUR – Welt weit weit weg von meiner Moll-Welt.

Die Musik mit der ich mich seit meiner Jugend beschäftige kommt aus England, aus Amerika, aus Südeuropa, …alles hat mich mehr fasziniert als österreichische Volksmusik. Und das ist auch heute nicht anders, vielleicht ändert sich das noch.

Songs, Lieder faszinieren mich – und es gibt sie in sehr sehr vielen Genres.
Es ist ja doch eine eigene Welt – die Songwelt.
Ich beobachte immer wieder – ein Song ist ein sehr bewegliches Medium.

Manche Songs ziehen kleine Kreise – manche Songs ziehen große Kreise – manche Songs verbinden die Menschheit – andere wiederum stärken Individuen hier und da. Manche Songs sind für „Einzelne“ geschrieben – andere wieder für die große „Masse“ – es ist so unterschiedlich – und das liebe ich. Ein Song bewegt, auf so viele verschiedene Arten. Wenn der Zuhörer, die Zuhörerin sich auf den Song einlässt, dann ist es eine Reise.  Auch wenn der Song „nur“ den Empfänger neu ausrichtet und bewegt und den Geist klärt, das Herz öffnet, die Seele atmen lässt usw… wirkt der Song im allerkleinsten Rahmen. Im Individuum. Und genau dort finden auch große Veränderungen ihren Beginn.  Das heißt ein Song ist ein Botschafter, eine Inspiration und lässt uns auf vielen Ebenen Erfahrungen sammeln.

Volksmusik hingegen ist vielleicht für die kollektiven Anteile ? Zunächst muss das Individuum in sich gestärkt sein, dass es sich überhaupt mit dem kollektiven Bewusstsein auseinandersetzen kann. Denn das kollektive Unbewußtsein ist beängstigend – jedenfalls für mich – und vielleicht auch drum meine Zurückhaltung – Volksmusik und Menschenansammlungen – wirkt auf mich schon immer bedrohlich.

Große Menschenansammlungen sind jetzt gerade gar nicht möglich. Das genieße ich sehr. Und mit ZuHausesein  und Unsichtbarsein hab ich auch meinen Frieden. Aber mit dem ständigen Gefühl – mich selbst darstellen zu müssen – einordnen zu müssen – mich um Öffentlichkeit kümmern zu müssen … etc … damit bin ich überfordert und weiß gar nicht wo anfangen.

Ich brauche einen Arbeitsplatz – einen Boden unter den Füßen, auf dem ich arbeiten kann – eine Bühne,  Musik spielen – live – mit Menschen kommunizieren – den Moment gemeinsam erleben – mich dem Moment ganz zu öffnen – nicht darüber reden … mich darstellen … inszenieren … etc… das befremdet mich. Und es kann sein, dass ich durch meine Unfähigkeit im virtuellen Raum Fuß zu fassen – immer im Unsichtbaren bleibe. Auch damit bin ich ganz einverstanden. Es ist nicht alles Gold was glänzt – und vor allem – nicht alles was nicht glänzt ist wertlos. Und das Unsichtbare ist auf der anderen Seite des Sichtbaren. Diese Welten gehören zusammen.

Und ja … wenn Weltmusik bedeutet – ich bin hier in der Welt und das ist „mein“ musikalischer Ausdruck  – dann gibt es nur noch Weltmusik? Einverstanden – ich mach also Weltmusik – Wirken tut es allemal – so oder so …   A song is a song is a song …