SONNENVOGEL

  • „Arbeitstitel“ meiner über die Jahre (seit 2001)  entstandenen und gesammelten Lavant-Songs.
  • Konzerttitel meiner „Lavant-Lieder“  mit
    Gesang &  Gitarren …
    Solo, Duo, Quartett, Quintett, Sextett, Septett …

Seit Ende der 90iger Jahre webe ich Gedichte von Christine Lavant zu Songs, aus purer Leidenschaft – intuitiv –  was mich berührt, trifft, wandelt  anspricht wandelt sich zu einem Song!

Dabei geht es mir nicht darum, Lavants Gedichte musikalisch zu interpretieren! Sondern sie als Songtexte  anzunehmen um durch sie  Songs zu weben, mit  den Gedichten  eine lebendige Verbindung aufzunehmen, mich durch sie zu bewegen und durch einen alchimistischen Liebesakt Wort und Musik zu vereinen!

Es ist soweit!!!
meine Erste Lavant CD –
„Du von draußen, ich von drinnen“
erscheint am 21.11.2018

Infos zur CD:
9 Songs

Ramona Kasheer – Komposition, Gesang und E-Gitarre

mit :
Koehne – Quartett
Arrangement – Rolf Aberer
Joanna Lewis – Violine
Anne Harvey-Nagl – Violine
Emily Stewart – Viola
Melissa Coleman – Chello

Edgar Unterkirchner – Saxophon
Walter Singer – Kontrabass

Aufnahmeleitung: Robin Gillard
aufgenommen im Happy Road Studio, 1050

  • St. Stefan, Haus der Musik

  • mit dem Koehne-Quartett über den Dächern der Stadt

  • mit Franz Bachhiesl und dem Koehne-Quartett nach dem Konzert in der Sargfabrik 9/17

Rainer Krispel über Sonnenvogel:

„Die entstandene Musik ist bei aller Schwere der Worte (auch) von einer unbegreiflich großen Leichtigkeit und einnehmenden Sinnlichkeit durchzogen. Durch das Benennen und Vertonen des oft fassungslos machenden Erlebten,  bekommen wir Menschen es doch zu fassen, können damit umzugehen beginnen, hören im reinen Wortsinn Zerschmetterndes und Zerstörerisches fast wie durch ein Wunder auf einmal gerne, formen es zu etwas Anderem um. Beinahe so, als würde ein Sonnenvogel, hauptsächlich im Himalaya und China beheimatet, auf einmal mit im Raum sein, wo diese Lieder gespielt werden.“

Informationen über Christine Lavant

Viel über die Kärntner Dichterin (1915-1973) findest du hier: www.christine-lavant.at oder hier:  www.christine-lavant.com.

Am direktesten kann man ihr begegnen in ihrer wunderbaren Lyrik, die ursprünglich über das Brennerarchiv beim Otto Müller Verlag erschienen ist, und seit neuestem im Wallsteinverlag erscheint.

Meine Kenntnis von Christine Lavant verdanke ich dem Philosophen Dr. Christian Paul Berger, der mir 1996 bei einem Spaziergang am Inn den Auftrag gab, mich mit den Engeln der Lavant zu beschäftigen. Seit dem Tag begleitet mich ihre Lyrik kontinuierlich, und Lied für Lied entsteht durch das Hören ihrer Lyrik.  Mittlerweilen ist eine sehr schöne Liedersammlung entstanden. Und es ist soweit. Ich möchte die Lieder veröffentlichen.

Textzitate…

„Ich will allen Kränkungen gut in die Augen schaun, ihnen sagen, dass es nichts heilloses gibt,
und dass keine von ihnen mich wirklich kränkte, weil immer wieder der Spiegel der Demut,
zusammenwuchs hinter ihren Schlägen.“

werden …
„wie ein Tänzer zwischen allem was sich dreht, Sonne Mond und Sterne,
ein Stück Kosmos blindlings in die Ordnung eingeschwungen..“

“ Du weißt nicht wie das mühsam ist, mit allen Sinnen ja zu sagen,
man muss sie manchmal niederschlagen, wie tolle Hunde und mit List,
in eine Schlinge fangen, oft gleiten sie als Schlangen still aus mir fort.
Wenn sich ein Lied von selbst aus deiner Flöte zieht und umgeht hier auf Erden.“

Slide Title

„wem aber das Herz verhärtet ist in der Ödnis unwahrer Maße, dem schenkt sich die Ordnung nicht mehr“

Video zum Song „Zecherbecher“

500 bewegte Kaffeebilder – Tod und Leben geben sich die Hand – kein entweder oder – sondern ein sowohl als auch,  ein hier und da – „einmal waren alle Lippen“

Dieses Video hat Ulli Fuchs vom Labor Alltagskultur ermöglicht. Vielen Dank Ulli!

ANIMAtion: Amelie Schlögelhofer
Studio für experimentellen Animationsfilm
Abteilung Prof. Judith Eisler
Universität für Angewandte Kunst Wien

 Kommende „Sonnenvogel“ Termine:

lange-nacht-kärnten-sonnenvogel

am 6. Oktober in St. Andrä im Lavanttal

am 21. November 2018

Am 23.11.2018  komm ich mit meiner neuen CD nach Weigelsdorf ins Ahorn Konzertbeginn: 20.15 Ramona Kasheer singt (!) ) Lavant Instrumente: E-Gitarre, Klavier & Gesang


GEDANKEN ZUM SONNENVOGEL NACH EINEM Gespräch mit Brenda Feuerstein am Ufer des Bodensees im September 2017


“ Ich will allen Kränkungen gut in die Augen schaun,  ihnen sagen dass es nichts heilloses gibt!“
was für ein erster Satz für einen Song !
oder
„Du hast die Landschaft zwischen uns verändert,  an jeglichem zwischen Wolken und Wurzeln ist arges geschehn, Verschwistertes schläft nimmer beieinander, und die Brücke des Zutrauens ist fort aus aller Augen …“


1973 ENDE & ANFANG

Christine Lavant wurde 1915 geboren und lebte bis zu ihrem Übergang  1973 in Kärnten.
Ich bin 1973 geboren, und geprägt durch eine sehr enge Beziehung zu meiner Großmutter, die 1919 geboren wurde. So fühle ich eine tiefe Verbundenheit zu dieser Generation. Meine Großmutter und ich haben unglaublich viel Zeit in der Waschküche verbracht. Neben dem Wäschewaschen hat sie mir ihre Lebensgeschichte erzählt und erzählt und erzählt. Die Arbeit war direkt mit Sprache verbunden. Ich hab ihr zugehört. Immer wieder. Die schwere des Katholizismus, die Traumatisierungen durch den Krieg – alles war für mich deutlich spürbar.

SPRACHE UND WASSER

Meine Großmutter hat sich mir von innen her offenbart. Und wenn ich bei ihr war, hat sie begonnen zu reden, wenn ich nicht da war, hat sie still die Wäsche gewaschen. Sie hat die schwere Arbeit ihr ganzes Leben lang alleine getan.  So war die Waschküche die einsame Arbeitsstätte meiner Großmutter. Ihre Hände waren so groß, grob, rau  und verformt vom jahrzehntelangen schweren nasse Wäsche aus den großen Waschtrommeln ziehen und in die Wäscheschleuder laden. Ihre Knie geschwollen, und ihre Haare standen meist wild ab vom Dampf. Ihre Stimme liegt für mich noch  im Geräusch der Waschmaschinen. Wenn sie im Element war, und dass war sie meistens, dann konnte sie sogar die Wäscheschleuder übertönen, und das heißt was!  Ihre Geschichten kamen aus dem Innersten. Durch mich konnte sie alles in Sprache formen. Sprache und Wasser haben in mir eine enge Verbindung.

Die Dringlichkeit der Mitteilung hat mich als Kind schon sehr berührt und hat mich wohl dazu geführt, dass ich mich der Sprachphilosophie mit großer Leidenschaft widmetet. Wenn ich heute an unsere Wäschereigespräche zurückdenke bin ich sofort mit allen Sinnen in der Waschküche, und heute weiß ich – dort war meine Heimat, meine Kinderstube, mein Kinderhimmel.  Durch die starke Kraft der Sprache meiner Großmutter konnte ich mit ihr durch die Zeit, ihre Lebenszeit reisen.

Als ich anfing die Lyrik von Christine Lavant  zu lesen, da hat sich in mir unmittlebar etwas erinnert. Dieses vertraute  Gefühl von Sprache, Dringlichkeit und Wasser.
Sofort war ich berührt von der unglaublichen Kraft der Worte und ich fühlte mich zu Hause.

Durch die Geschichten meiner geliebten Wäscheroma war ich mit dem Elend dieser Generation vertraut. Ich habe vieles mit erlebt. Schließlich braucht es Generationen bis die Wunden die ein Krieg hinterlässt heilen. Und ich hab so viele Verwundungen wahrgenommen, und selber erlebt,   und miterlebt wie viele neue Verletzungen durch die unbehandelten Verwundungen dazugekommen sind.

LÖSUNG UND LOS LASSEN

Lösung gibt es nur, wenn das Problem wirk-lich losgelassen wird.
Wird jedoch am Problem festgehalten, dann wird es nur verschoben, hin und her, vor und zurück, von einem zum anderen. Lösung braucht Mut und Vertrauen.
Und zuallererst braucht es eine Hingabe an das Problem. Ein tiefes  Erkennen wahrnehmen und Annehmen der Situation. Dann das lassen, entlassen des Problems, damit die Lösung ankommen kann. Zwischen Problem und Lösung findet der freie Fall des Los lassens statt. In ihm erleben wir Trauen, Mut, Verbundenheit.

Christine Lavant hat ihrem „Elend“  in die Augen geschaut – nichts schön geredet, nichts weggeeredet. Sie hat ihr Leid erkannt und angenommen. So kann innere Heilung stattfinden. Dadurch dass Christine Lavant ihrem Leid Sprache geben konnte, hat sie uns allen einen enormen Schatz hinterlassen. Es geht nicht nur um die Kunst, es geht vor allem um ihre Erfahrungen!

INNEN UND AUSSEN

Das persönliche Leben ist immer auch Teil des Öffentlichen – und es ist eine Illusion zu glauben diese beiden „Welten“ lassen sich voneinander trennen.
Das merkt vor allem derjenige, dem das Öffentliche im Persönlichen zur Belastung wird. Und jeder Krieg ist für das persönliche innere Leben eine Katastrophe und lässt eben nicht nur im äußerlichen, öffentlichen Leben Verwüstung zurück.
So ist das was ein einziger von innen heraus für das gesamte tut von unschätzbarem Wert. Irgendwann findet auch Außen Veränderung statt.
Indem einzelne neue Wege einschlagen und sie dann auch gehen!
Ein Weg gehen ist was anderes als ein Konzept zu entwerfen.
Ein Weg als Dichterin, als Musikerin zu gehen, zu leben, ist etwas anderes als ein Image aufzubauen.

So hat Christine Lavant ihre Lyrik gelebt. Nicht nur ihr eigenes Elend geschaut, erlebt,  sondern als verbundener Teil des Ganzen, war sie Sprachrohr für viele Sprachlosen, von innerem Elend bestimmten und überwältigten Menschen.
Sie konnte dem „Inneren“ nachgehen, weil sie völlig ungeeignet war am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen. Durch die körperlichen Beeinträchtigungen, die sie schon aus der Kindheit mitbrachte, konnte sie weder einer geregelten Arbeit nachgehen, noch Kinder bekommen etc …
oder hat sie gar ein Kind bekommen, verloren …?
Für sie gab es nichts zu gewinnen und nichts zu verlieren.
Sie konnte sich zu 100% ganz der Dichtkunst –
der Umwandlung durch Sprache widmen.
So gesehen war sie eine echte Alchimistin. Eine Wandlerin, eine Hexe!

60iger Jahre

In den 60 iger Jahren, als Frau in einem katholischen Land, nach einem furchtbaren Krieg einen Gedichteband zu veröffentlichen mit dem Titel „Sonnenvogel“ ist so groß und einzigartig!

so schreibt sie:

„Wie Waisen müssen wir atmen, unauffällig und räuberisch, bis wir die Zehrung beisammen haben für den Flug in die Freude.“

Abschied vom Katholizismus, Aufbruch in die Souveränität?

Christine Lavant war eine Wegbereiterin, und dass sie in ihrer Lyrik den Katholozismus sprachlich eingeflochten und bis in die Zellen hinterfragt hat ist naheliegend und wahr!

Heute noch gilt der Katholizismus als Teil der kulturellen Identiät, und in vielen Teilen des Landes gestaltet er noch immer das gesellschaftliche Handeln prägend weiter. Dabei wäre er in erster Linie doch eine Religion, und ist wohl doch eher eine mächtige Institution, die auf Schuld und Unmündigkeit gründet. Heute noch sind viele auf dem Papier bei der Kirche, obwohl sie innerlich längst „ausgetreten“ sind. Die katholische Kirche wird von innen her immer hohler, aber sie ist noch immer eine mächtige Institution.Viele haben heute noch Angst auszutreten, weil sie die Konsequenzen fürchten! Kinder werden getauft, weil der Vater es noch wünscht, oder doch mit der Enterbung droht? Wenn man sagt, die „Kirche soll im Dorf bleiben“ dann ist das ein Ausdruck dafür , dass man an der Basis nichts verändern mag. Wir lassen die Kirche im Dorf und aus! Wir wollen keine Veränderung. Alles soll so bleiben wie es war … und was ist jetzt?  … Und wer damit ein Problem hat, der soll gehn.

Wenn der Papst am nächsten bei Gott ist, dann ist der einzelne Mensch ohne Papst  am weitestes Weg von Gott und drum nichts wert. Zwischen Gott, Papst und dem einzelnen Menschen  steht das mächtige hierarchische Konstrukt und ganz unten steht der einzelne Mensch “ nicht würdig, dass du (Gott) eingehst unter mein Dach“
Da gibt es keinen Auftrag für den einzelnen Menschen aufrichtig und eigenverantwortlich zu handeln!

Zwischen den beiden unmöglichen Welten, dem Diesseits hier, und dem Jenseits dort steht der Mensch, der Gott nie erreichen kann ohne einen Vermittler, der mehr einem hörigen Sklaven gleicht als einem mündigen selbstbestimmten offenen lebensbejahenden Menschen.

Das heißt, sie Spiritualität – das Potential der Rückverbindung zum göttlichen Ursprung – wird abgetrennt vom eigenen Potential, nach Außen verlagert und als Institution verwaltet.

Aus dieser der Ohnmächtigkeit in die spirituelle Eigenverantwortung sich ringend –
so erlebe ich Christine Lavant immer wieder!

„Du hast mich aus aller Freude geholt. Aber ich werde dennoch genau, ganz genau nur so lange darunter leiden, als es mir selbst gefällig ist, Herr.“

 MUT ZUR EINZIGARTIGKEIT

Christine Lavant ist aus meiner Sicht  eine souveräne Pionierin!

Der „Sonnenvogel“ will das Schwere in Leichtes wandeln!
Oder auch Mut machen dem „eigenen“ Schweren Beachtung und Liebe zu geben, durch Aufmerksamkeit und Hingabe!  Mut machen zum Hinschauen! Alles was von Außen, vom Kollektiven und Öffentlichen Leben ins persönliche fließt,  hat  eine Verbindung zum Persönlichen.  Und durch die persönliche Auseinandersetzung fließt es wieder zurück ins Öffentliche. Das Persönliche und das Öffentliche gehören zusammen, sind verbunden!

Findet Transformation und bewusste Auseinandersetzung im Kleinsten statt – verändert sich irgendwann von Innen heraus zwangsläufig auch die Gesellschaft.

DIE FRAGE: WAS IST PERSÖNLICH?

personare … Das was durch einen hindurchklingt! Und da erlebt jeder Mensch Welt auf seine ihm ganz einzigartige Art und Weise. Weil jeder Mensch bereits so vieles in sich trägt ist er potentiell ein multidimensionalses und vielschichtiges Wesen.  Dadurch hat jedes einzelne Leben eine unglaubliche Tiefendimension!  Sobald die Entscheidung getroffen ist in die  Eigenermächtigung zu gehen, die Antworten zu stehen, auf die vom Leben gestellten Fragen, wird der Raum von innen heraus ausgeweitet.

Der Mensch ist viel mehr als ein zeitlich begrenztes manipulierbares Wesen, das vielleicht nach dem Tod weiterlebt, dass vielleicht vor der Geburt gelebt hat.  Die Großartigkeit spannt sich über diese zeitlich begrenzte Existenz hinaus. Dieses aus sich heraustreten ist ein bewusster Akt. Der Mut und Demut gleichzeitig voraussetzt.

Bildung von Herz & Bewußtsein  – Reflexion – Transformation – daraus lässt sich nachhaltig Frieden weben- von Innen nach Außen – ich wüsste wirklich nicht wie sonst! Es gibt keine Alternative zum individuell gelebten und gestalteten Leben. Der Mensch in seiner Einzigartigkeit ist ganz am Beginn! Und das neue Leben beginnt, wenn Menschen aufwachen aus dem Albtraum, dass sie umgöttliche Geschöpfe sind und sich das Leben auf der Erde erst verdienen müssen.

DIE SCHWEREN GEDICHTE TUN SICH ZUSAMMEN MIT LEICHTER BERÜHRENDER  MUSIK.

Keine zusätzliche Schwere durch verkopfte Interpretation – nein – Leichtigkeit durch teilweise balladenhafte und stellenweise bodenständig feurige Songs, und dabei mit dem Wort an der Hand … in der Melodie … richtige Songs eben!
Die Songs bringen Dimensionen der Texte ans Licht, die ohne Musik nur schwer fassbar wären. Lyrik ist für mein Ohr Musik! Ich kann mir gar nicht vorstellen Lyrik zu lesen ohne dabei Musik zu hören. Und die Musik die ich höre schreibe ich auf!

Es ist einfach viel mehr als Unterhaltung! Es ist Musik für die Seele.

Die Gegensätze – nicht mehr im Kampf gegeneinander sondern in der Akzeptanz mit einander –  zu einem Ganzen vereint – Das Dunkle und das Helle, das Böse und das Gute – zunächst innen anzunehmen.
Ist es möglich eine Balance zu finden? und zu werden wie

„ein Tänzer zwischen allem was sich dreht, Sonne Mond und Sterne – ein Stück Kosmos blindlings in die Ordnung eingeschwungen“
(aus der Prosa: „die Stille als Eingang des Geistigen“, Christine Lavant)