…werde ich vorerst keine Lavant Songs mehr veröffentlichen,  weiterhin  live spielen und selbstverständlich weiter komponieren und auf besserer Zeiten warten für die Veröffentlichung.

Jetzt da die intimen Briefe zwischen Werner Berg und Christine Lavant völlig aus dem Zusammenhang gerissen erschienen sind, die niemals für die Öffentlichkeit bestimmt waren, und außerdem noch das Gerücht herumgeht – sie sollen auch noch verfilmt werden – richte ich meine Aufmerksamkeit entschieden auf das mir Wesentliche. Ich habe mich entschieden beiden Lavantgesellschaften auf Distanz zu bleiben. Es ist ein schwerer Schlag für die Kunstschaffenden ganz allgemein. Mit unveröffentlichtem Material so respektlos umzugehen macht mich einfach sprachlos und erfüllt mich mit Ekel.

Es tut mir unendlich leid für Christine Lavant, dass ihr Werk 50 Jahre nach ihrem Tod noch immer in so einem toxisches Feld gefangen ist. So schade – aus meiner Sicht hätte sie es mehr als verdient als Lyrikerin, Schriftstellerin ernst genommen zu werden. Und ich kann mir sehr gut vorstellen, dass ihr Neffe Armin Wigotschnig sich das auch anders vorgestellt hat, als er den Nachlass übergeben hat.

Das Buch das er 1978 herausgegeben hat gemeinsam mit Johann Strutz heißt: „Kunst wie meine ist nur verstümmeltes Leben“ – das ich jedem Leser, jeder Leserin wärmstens empfehlen möchte, um in die Lebenswelt der Lavant einzusteigen. Eine wunderbare Sammlung von Lyrik, Prosa und Briefen.  Ich empfehle allen Lavant Interessierten zuallererst rasch alles zu suchen was im Otto Müller Verlag erschienen ist – leider können diese Ausgaben nur noch auf Umwegen gefunden werden – aber es lohnt sich.

„Die Schöne im Mohnkleid“ ist eines meiner Lieblingsbücher – herausgegeben im Auftrag des Brennerarchivs. In Innsbruck begann meine Lavantreise und damals war alles noch in sich stimmig.  Insgeheim warte ich auf die „Gesamtausgabe der Briefe“ von Ursula A. Schneider und Annette Steinsiek. Die beiden Wissenschaftlerinnen haben Lavant erforscht und vieles lesbar gemacht über viele viele Jahre – bedauerlicherweise wurden sie in den Hintergrund gedrängt. Sehr sehr schade und mir leider völlig unverständlich.